Der Innere Wert der Shareholder Value Beteiligungen AG belief sich zum 31. Juli 2026 auf 108,38 Euro je Aktie und lag damit 5,6% unter dem Jahresanfangswert von 115,06 Euro. Gegenüber dem Vormonat ergibt sich ein Anstieg von 2,2%. Auf Basis des Xetra-Schlusskurses vom 31. Juli 2026 von 70,50 Euro besteht weiterhin ein signifikanter Abschlag zum Inneren Wert von rund 35,0%.
Die größten positiven Wertbeiträge im Juli kamen von Intershop Communications und Acceleratio/NielsenIQ. Intershop setzte die Erholung des Vormonats mit einem Kursanstieg von rund 11% fort; die Stabilisierung des Unternehmens unter dem neuen Management findet zunehmend Anerkennung am Markt. Acceleratio/NielsenIQ gewann rund 19% und trug damit knapp 1,2 Euro je Aktie zum Inneren Wert bei. secunet Security Networks legte nach dem schwachen Juni um rund 5 % zu.
Belastend wirkte erneut FamiCord. Der Kurs gab im Juli um 22% nach, was den Inneren Wert mit rund 1,9 Euro je Aktie belastete. Wie bereits berichtet, messen wir dem Aktienkurs angesichts des geringen Streubesitzes und der sehr niedrigen Handelsaktivität nur eine begrenzte Aussagekraft für den tatsächlichen Unternehmenswert bei. Nicht ausblenden darf man aber, dass die Geburtenrate (vor allem im zahlungskräftigen Segment, insbesondere im wichtigen Markt Deutschland) sehr stark zurückgeht und die echten Use-Cases für die Einlagerung von Nabelschnurblut weiter auf sich warten lassen. Unbestritten ist aber auch, dass der Wert des Unternehmens und der damit erzielbaren Cashflows aus den wiederkehrenden Erlösen für einen potenziellen Übernehmer deutlich höher liegen als die derzeitige Marktbewertung.
Erste Risse in den Erwartungen an die KI-Monetarisierung
Im Juli hat sich das Marktumfeld spürbar gedreht. Die Zweifel daran, ob sich die Investitionen in KI-Infrastruktur in absehbarer Zeit in entsprechende Erträge übersetzen lassen, sind erstmals breit in die Kurse eingeflossen. Betroffen waren vor allem Halbleiterwerte, Rechenzentrums- und Infrastrukturanbieter sowie die großen Plattformkonzerne – also genau jene Segmente, die die Marktentwicklung der vergangenen Quartale getragen haben. Europäische Momentum-Aktien verloren im Juli relativ zum Gesamtmarkt zweistellig und gaben damit einen erheblichen Teil ihrer Outperformance des ersten Halbjahres wieder ab.
Wir hatten in unseren letzten Meldungen wiederholt auf die außergewöhnlich hohe Bewertungsdifferenz zwischen wenigen stark nachgefragten KI-nahen Großunternehmen und einem breiten Universum qualitativ hochwertiger Unternehmen außerhalb dieses Booms hingewiesen. Diese Differenz hat sich im Juli erstmals in nennenswertem Umfang zurückgebildet – und zwar zugunsten unseres Portfolios.
Besonders deutlich wurde dies bei jenen Beteiligungen, die der Markt zuvor als potenzielle Verlierer der KI-Entwicklung eingestuft und mit erheblichen Bewertungsabschlägen versehen hatte: Adobe gewann rund 21%, Sage rund 20%, SAP rund 18% und IONOS rund 16%. Wir haben diese Unternehmen bewusst gehalten bzw. aufgebaut, weil unsere Fünf-Jahres-Modellierung zeigt, dass ihre Kundenbeziehungen, Datenbestände und Wechselkosten deutlich robuster sind, als es die pauschale Disruptionsdebatte unterstellt.
Ob es sich bei der Entwicklung im Juli um eine nachhaltige Neubewertung oder um eine Zwischenkorrektur handelt, lässt sich seriös nicht prognostizieren. Für uns ist entscheidend, dass wir Unternehmen halten, deren intrinsischer Wert von einer möglichen breiteren Marktkorrektur nicht nachhaltig beeinträchtigt würde. In einem solchen Szenario wären tiefere Kurse für uns vor allem eine Kaufgelegenheit.
Portfolioveränderungen im Juli
Wir haben den Umbau des Portfolios im Berichtsmonat konsequent fortgesetzt und dabei gezielt Unternehmen gestärkt, deren Geschäftsentwicklung von den Fragen rund um die KI-Monetarisierung strukturell unabhängig ist.
Aufgestockt haben wir die Position in der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft. Die Rückversicherung ist ein kapital- und regulierungsintensives Geschäft mit hohen Markteintrittsbarrieren, dessen Ertragskraft von Zeichnungsdisziplin, Reservequalität und Kapitalanlageergebnis bestimmt wird – Faktoren, die sich über einen Fünfjahreszeitraum mit hoher Verlässlichkeit modellieren lassen. Hinzu kommt eine kontinuierliche Rückführung von Kapital an die Aktionäre über Dividenden und Aktienrückkäufe, die einen wesentlichen Teil des erwarteten Total Shareholder Return trägt. Die Position machte zum Monatsende 1,9% des Portfolios aus.
Ebenfalls ausgebaut haben wir Scout24. Das Unternehmen verfügt über einen ausgeprägten Netzwerkeffekt im deutschen Immobilienmarkt: Angebot und Nachfrage konzentrieren sich auf der reichweitenstärksten Plattform, was zu einer hohen Preissetzungsmacht gegenüber den Maklerkunden führt. Zudem wurde die Position in SAP aufgestockt und im Gegenzug die Beteiligung an Recordati vor dem Hintergrund der Gefahr eines Delistings teilweise realisiert.
Unverändert überzeugt sind wir von MTU Aero Engines, die wir in den letzten Monaten als Depotwert neu aufgebaut haben. Der große installierte Bestand an Triebwerken sorgt für ein sehr gut planbares Wachstum im margenstarken Wartungsgeschäft über die kommenden Jahre. Zusammen mit unseren Beteiligungen im Gesundheitsbereich bildet dieser Portfolioteil ein Fundament aus Geschäftsmodellen, deren Nachfrage weder von IT-Budgetzyklen noch von den Investitionsplänen der Hyperscaler abhängt.
Die Bankguthaben lagen zum Monatsende bei rund 0,7 Mio Euro. In Sondersituationen, die sich voraussichtlich über die nächsten Monate auflösen werden, erwarten wir einen Liquiditätszufluss von über 7 Mio Euro, so dass unsere Liquiditätssituation einen weiteren Aufbau von Positionen erlaubt. Zudem prüfen wir weiterhin aktiv Möglichkeiten der Wertrealisierung für Beteiligungen, die unserer Investitionsphilosophie nicht mehr entsprechen. Bei diesen wenig liquiden Positionen benötigt dies erfahrungsgemäß Zeit; unser Fokus bleibt unverändert darauf, die Portfoliostruktur Schritt für Schritt in Richtung höherer Qualität, besserer Handelbarkeit und langfristig robuster Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln.
Organisatorische Weiterentwicklung und Halbjahresbericht
Am 10. Juli 2026 gaben wir eine Weiterentwicklung unserer Organisationsstruktur bekannt: Nils Herzing legt sein Amt als Mitglied des Vorstands im gegenseitigen Einvernehmen mit Wirkung zum 30. August 2026 nieder und wird seine langjährige Kapitalmarkterfahrung künftig in einer auf die Investmentanalyse fokussierten Funktion in die Gesellschaft einbringen. Dr. Helmut Fink wird damit Alleinvorstand der Shareholder Value Beteiligungen AG. Führungs- und Analyseaufgaben werden dadurch klarer voneinander getrennt; zugleich ist der Schritt ein weiterer Baustein auf dem Weg zu einer im Branchenvergleich sehr schlanken Kostenstruktur. Die vollständige Meldung finden Sie hier: Meldung vom 10. Juli 2026.
Im Juli haben wir zudem unseren Halbjahresbericht zum 30. Juni 2026 veröffentlicht. Der ausgewiesene Halbjahresfehlbetrag von 2,5 Mio. Euro ist dabei wesentlich durch Abschreibungen nach dem handelsrechtlichen Niederstwertprinzip geprägt und daher nicht mit der Entwicklung des Inneren Wertes gleichzusetzen; maßgebliche Steuerungsgröße bleibt für uns der Innere Wert je Aktie. Den vollständigen Bericht finden Sie hier: Halbjahresbericht zum 30. Juni 2026 (PDF).